Empfehlung von Anna Zehetmeier
„„Was ich von ihr weiß“ ist ein großer, bewegender Roman über Freundschaft, Liebe, Kunst und Freiheit. Jean-Baptiste Andrea erzählt die Geschichte von Mimo, einem kleinen, begabten Bildhauer aus ärmlichen Verhältnissen, und von Viola, einer jungen Frau aus adligem Haus, die sich nicht mit den engen Grenzen ihrer Zeit abfinden will. Von ihrer ersten Begegnung an sind ihre Leben miteinander verbunden – manchmal nah, manchmal schmerzhaft getrennt, aber immer geprägt von gegenseitiger Achtung und tiefer Verbundenheit. Vor dem Hintergrund der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfaltet sich ein eindrucksvolles Panorama: der Aufstieg des Faschismus, die Weltkriege, gesellschaftliche Umbrüche. Doch trotz dieses historischen Rahmens bleibt der Roman ganz bei seinen Figuren. Mimos künstlerischer Erfolg steht im Kontrast zu Violas unermüdlichem Kampf um Selbstbestimmung. Beide zahlen einen Preis für ihre Entscheidungen – und genau darin liegt die große emotionale Kraft dieses Buches. Jean-Baptiste Andrea schreibt warmherzig, klar und mit großer erzählerischer Eleganz. Seine Figuren sind lebendig, widersprüchlich und zutiefst menschlich. Dass dieser Roman 2023 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde und zum Lieblingsbuch der französischen Buchhändler gewählt wurde, überrascht nicht. „Was ich von ihr weiß“ ist ein intensives, kluges und berührendes Buch, das lange nachklingt.“
Vom Buchrücken: Im großen Spiel des Schicksals hat Mimo – Michelangelo Vitaliani – die falschen Karten gezogen. In Armut geboren, wird er als kleiner Junge zu seinem Onkel nach Italien gegeben, um das Handwerk eines Bildhauers zu erlernen. Dort, in dem kleinen ligurischen Dorf Pietra d’Alba, begegnet er Viola, Tochter aus gutem Hause und jüngstes Kind der Orsinis, einer angesehenen Adelsfamilie. Viola scheint vom Glück begünstigt zu sein, doch sie ist eine junge Frau, die nicht in die Zeit passt. Sie will »fliegen« – auf eigenen Beinen stehen, aus dem engen gesellschaftlichen Korsett ausbrechen, das für eine Frau ihres Standes nur die Ehe vorsieht. Von ihrer ersten Begegnung an durchleben Viola und Mimo Seite an Seite die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, den Aufstieg des Faschismus und die Unruhen der Weltkriege. Er, der ungewöhnlich kleine Bildhauer, wird ein von der Elite gefeierter Künstler; sie versucht unermüdlich, ihre Träume als emanzipierte Frau zu verfolgen. Beide werden sich immer wieder verlieren und finden, als Verbündete oder Gegner, ohne ihre Freundschaft jemals aufzugeben. Aber was nützt Mimo aller Ruhm, wenn er Viola am Ende ziehen lassen muss?
ISBN: 978-3-630-87800-3

