Empfehlung von Anna Zehetmeier
„Dieses Buch hat mich sehr berührt und noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Misha Schoeneberg erzählt seine persönliche Familiengeschichte. Sein Vater stammt aus einer jüdischen Berliner Familie und hat Auschwitz überlebt, seine Mutter wuchs in Vorpommern auf und war als Mädchen Mitglied im BDM. Doch über die Vergangenheit wurde in der Familie kaum gesprochen. Erst nach und nach versucht Schoeneberg, das Schweigen seines Vaters zu verstehen und dessen Geschichte zusammenzusetzen. Besonders bewegend fand ich, wie deutlich wird, dass die Schrecken des Holocaust auch nachfolgende Generationen geprägt haben. Einen erschreckenden Bezug zur Gegenwart stellt der Autor mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem seither offen zutage tretenden Antisemitismus her. Die zunehmende Angst vieler jüdischer Menschen lässt die Warnung seines Vaters, niemandem etwas über sich zu verraten, plötzlich in einem anderen Licht erscheinen. War sein Schweigen vielleicht nicht nur Ausdruck seiner traumatischen Erlebnisse, sondern auch eine lebenslange Vorsichtsmaßnahme? Schoeneberg erzählt einfühlsam, ehrlich und stellenweise mit leisem Humor. Für mich ist dieses Buch weit mehr als eine Familiengeschichte. Es erinnert eindringlich daran, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und gerade heute nicht wegzusehen. Ein bewegendes, wichtiges Buch, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte.“
Vom Buchrücken: EINE AUSSERGEWÖHNLICHE FAMILIENGESCHICHTE DER NACHKRIEGSZEIT Der Vater stammt aus einer jüdischen Berliner Familie, er hat Auschwitz überlebt. Die Mutter kam aus Vorpommern, als Mädchen war sie im BDM. Eine deutsch-jüdische Verbindung des Nachkriegsdeutschlands – so ungewöhnlich wie ihre Kinder: eine seltene Mischung. Doch über die Geschichte herrschte Schweigen. Reflexionsstark, feinfühlig und mit subtilem Humor tastet Schoeneberg die Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein ab. Hatte der Vater nicht doch recht, wenn er sagte »Lass niemanden über dich etwas wissen«? Sind das die Lehren aus dem auf den Straßen Neuköllns erschallenden Jubel über das Massaker des 7. Oktober?
ISBN: 978-3-8270-1547-1

