Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider

Empfehlung von Anna Zehetmeier

„„Ihr neues Leben wirkt beschränkt, widersprüchlich – und doch arrangieren sie sich damit.“ Dieser Satz über Noahs Tauben passt auf alles. Aus der Sicht des 14-jährigen Noah erleben wir, wie sich der Alltag Schritt für Schritt verändert. Anfangs bringen die Mudschahedin Ordnung, doch das kippt schnell: Regeln werden zu Verboten, aus Anweisungen werden Drohungen. Selbst die Tauben dürfen plötzlich nicht mehr frei auf den Dächern gehalten werden – ein starkes Bild dafür, wie Freiheit immer weiter eingeschränkt wird. Immer wieder zieht Khider Parallelen zwischen den Tieren und den Menschen: ihr Eingesperrtsein, ihre Anpassung, ihr stilles Ausharren. Abbas Khider zeigt das ruhig und sehr klar und gerade deshalb trifft es einen so. Man merkt beim Lesen, wie eng die Welt wird: der Vater darf seinen Laden nicht mehr frei führen, das Leben der Frauen wird massiv eingeschränkt, Existenzen brechen weg – und auch Familien zerbrechen, verlieren sich. Gleichzeitig bleibt der Blick auf das Familienleben. Das Zusammensein, die Nähe, die Gewohnheiten und der Zusammenhalt – all das macht die Veränderungen noch spürbarer. Die Geschichte spielt im Irak, sie liest sie sich erschreckend gegenwärtig – gerade mit Blick auf die Entwicklungen im Iran. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, für mich bisher das beste Buch des Jahres. Am Ende stellte sich mir die Frage: Wie viel davon ist eigentlich Khiders eigene Geschichte?“

Vom Buchrücken: POETISCH UND PARABELHAFT: WIE TOTALITÄRE HERRSCHAFT IN DEN ALLTAG DRINGT. Noah ist vierzehn Jahre alt und Taubenzüchter. Eines Tages flattern seine geliebten Tiere unruhig durch die Lüfte, über der Stadt kreisen die Helikopter des Kalifats. Noah ahnt nicht, welch ein Sommer voller Umbrüche ihm bevorsteht.

ISBN: 978-3-446-28222-3

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Nightshade von Autumn Woods

Empfehlung von Laura Dzemila

„“Nightshade“ schafft es schnell, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Das Szenario wird so detailliert beschrieben, dass es leicht fällt sich darin zu verlieren. Schnell zeichnet sich das Geschehen durch eine düstere und geheimnisvolle Atmosphäre, Spannung und originelle Charaktere aus. Ophelia ist hierbei ein starker, schlagfertiger Charakter mit einer emotionalen Vorgeschichte. Ihre Gedanken, Gefühle und auch Unsicherheiten wurden sehr berührend beschrieben. Doch nicht nur Ophelia ist ein interessanter Charakter, Alex entfaltet sich von Kapitel immer mehr. Zwischen den beiden herrscht von den ersten Seite an eine Spannung, die intensiv spürbar ist. Der Schreibstil ist atmosphärisch und spannend gestaltet, jedoch wird er auch immer wieder an passenden Stellen aufgelockert und führt auch so zu witzigen Situationen. Tropes wie „Enemies to lovers“ und „slow burn“ finden sich hier perfekt ein.“

Mehr zum Buch: Willkommen an der Sorrowsong University, wo die Liebe dich dein Leben kosten kann. Verborgen in den schottischen Highlands, umgeben von alten Steinmauern, liegt die Sorrowsong University. Hier studieren die Sprösslinge der mächtigsten und skrupellosesten Familien. Nur ein Stipendium ermöglicht es Ophelia, diese Eliteschule zu besuchen. Dabei interessiert sie sich weniger für einen Abschluss, sondern will den Tod ihrer Eltern rächen. Als jemand Ophelia stalkt und bedroht, wird sie von Alex – dem Sohn ihres Hauptverdächtigen – beschützt. Ist er doch nicht das kaltherzige Monster, für das sie ihn gehalten hat? Ophelia kommt Alex immer näher und weiß nicht mehr, was sie fühlen soll. Denn sie hat sich geschworen, die Welt des Mörders ihrer Eltern zu vernichten…

ISBN: 978-3-651-00152-7 

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Mord im Nacktschnecken-Milieu von Elke Schwarzer

Empfehlung von Margret Engst

„Krimi oder Gartenbuch? Eigentlich geht es um „Schädlinge“ im Garten. Aber Elke Schwarzer hat die Beschreibungen tatsächlich wie ein Kriminalprotokoll der Polizei aufgebaut: Das Schadbild ist der Tatort, Zeugen werden befragt, Verdächtige beschrieben und schließlich wird der Täter überführt. Natürlich bietet Elke Schwarzer auch Abwehrmaßnahmen an. Ein originelles und witziges Gartenbuch, in dem man sich trotzdem gut informieren kann.“

Mehr zum Buch: Verbrechen aller Art üben auf Menschen eine besondere Faszination aus, aber wer würde darauf kommen, dass das Böse gleich hinter dem Gartentor lauert? Wirft man einen Blick in den Mikrokosmos zwischen Beet und Topf, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Denn von Insekten über Pflanzen bis hin zu kleinen Säugetieren – der Garten ist voller Verbrecher! Werde zum Kommissar im eigenen Garten: 20 Fälle vom Vandalismus bis zum heimtückischen Mord sind zu lösen. Wer ist verdächtig? Lässt sich der Täter anhand seiner biologischen Merkmale überführen? Welches Motiv hatte er? Geh‘ auf Spurensuche! Oder schlägst du dich etwa auf die Seite des Bösen, um Blattläuse, Schnecken und Co. loszuwerden?

ISBN: 978-3-8186-2734-8

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Giftiger Grund von Thomas Knüwer

Empfehlung von Ellen Netzer

„Ein sehr mysteriöser und spannender Krimi. Ein Ex-Häftling, der seine Beute sucht, eine Influencerin, die über Lost Places berichtet, und ein junges Mädchen, das seltsame Verletzungen am Bauch hat, treffen nachts an einer verlassenen Tankstelle aufeinander. Jeder hat seine eigene gruselige Geschichte und Geheimnisse. Aber die drei unterschiedlichen Protagonisten können sich tatsächlich gegenseitig beistehen und so ihre Peiniger und Verfolger abschütteln. Am Ende gibt es aber doch noch eine Überraschung. Ein spannender Krimi ohne Polizei und nicht blutrünstig.“

Vom Buchrücken: Ein Grund zu fliehen. Ein Grund zu leben. Ein Grund zu töten. Mitten in der Nacht an einer verlassenen Tankstelle: Joran, frisch aus dem Knast entlassen, sucht nach der Beute eines alten Raubzugs – und findet eine Leiche. Doch er ist nicht allein. Da ist Edda, ein Mädchen im Schlafanzug und Gummistiefeln. Und Charu, eine Lost-Places-Fotografin, deren Aufnahmen zu viel eingefangen haben. Drei Fremde, ein Toter – und ein Geheimnis, das sie untrennbar verbindet. Thomas Knüwer, Gewinner des Deutschen Krimipreises 2024, erzählt auf ungewöhnlich dichte Weise von drei Menschen, die sich zwischen menschlichen Abgründen und dem Wunsch nach einem Neuanfang bewegen.

ISBN: 978-3-426-56846-0

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Moosland von Katrin Zipse

Empfohlen von Katharina von Glasenapp

„Ende der 1940er Jahre gingen rund 300 deutsche Mädchen nach Island, um dort zu arbeiten, manche sind auch dort geblieben und haben geheiratet. Katrin Zipses „Moosland“ erzählt von Elsa, ihrer Ankunft auf einem einsam gelegenen Hof: schwierig ist es zunächst für sie, zumal die Kommunikation mit den Bauersleuten, ihren zwei Söhnen und dem Knecht nur mit Zeichensprache und Blicken funktioniert. Nur langsam öffnet sie sich für die fremde Welt, für die Abläufe von Arbeit im Haus, im Garten und mit den Tieren. Und über die Sprache findet sie schließlich auch zu den Menschen. Die großartige, wechselvolle, isländische Natur mit ihren archaischen Kräften und Zyklen hat die Menschen geprägt. Auch davon erzählt dieses Buch, das eine große Sogkraft entwickelt: eindringlich, ein bisschen herb, aber sehr nah dran an seinen Figuren.“

Vom Buchrücken: ZWISCHEN GRASSODENHAUS, LEUCHTENDEN WIESEN UND ENDLOSEM MEER 1949: Elsa schweigt. Sie ist nach Island gekommen, nicht um zu bleiben, sondern um zu arbeiten – wie knapp dreihundert andere junge Frauen aus Deutschland auch. Auf dem abgelegenen Hof kann sie sich mit der Bauernfamilie nicht verständigen, doch langsam begreift sie die Rhythmen dieses neuen Zusammenlebens, dem sie sich bald nicht mehr entziehen kann. Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

ISBN: 978-3-7558-0071-2

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Im Museum bei Nacht von Leisa Stewart-Sharpe

Empfehlung von Constanze

„Ich habe „Im Museum bei Nacht“ gelesen und fand es richtig cool! Schon das Cover macht Lust aufs Entdecken, weil überall etwas los ist. Im Buch ist man nachts allein im Museum – und plötzlich wird alles lebendig, was sonst nur hinter Glas steht. Man trifft auf Dinosaurier, alte Kunstwerke, Raumfahrt und sogar Zukunftstechnik. Es fühlt sich an, als würde man selbst mit einer Taschenlampe durch die Räume gehen und immer wieder etwas Neues entdecken. Besonders stark fand ich die ausklappbaren Seiten, weil da richtig viel zu sehen ist. Die Mischung aus Fakten und kleinen Geschichten ist super gemacht. Man lernt viel, aber es wirkt nie trocken oder wie ein Schulbuch. Außerdem gibt es auch spannende Fragen, zum Beispiel woher die Ausstellungsstücke eigentlich kommen. Ich würde das Buch allen empfehlen, die neugierig sind und Lust haben, Wissen mal anders zu entdecken. Es ist spannend, abwechslungsreich und macht einfach Spaß.“

Vom Buchrücken: FÜR EINE NACHT IM AUFREGENDSTEN MUSEUM DER WELT! Stell dir vor, du streifst ganz allein durch die Hallen und entdeckst riesige Fossilien, geheimnisvolle Gemälde und funkelnde Edelsteine. Erkunde den aztekischen Sonnenstein, untersuche Rembrandts »Nachtwache« oder teste den Düsen-Rucksack der NASA. Aber Vorsicht, wenn in der steinzeitlichen Sammlung plötzlich das Wollnashorn Jagd auf dich macht – hinter jeder Ecke wartet Atemberaubendes! Die spektakulärsten Ausstellungsstücke aus Museen der ganzen Welt lassen sich in diesem Sachbuch entdecken: Natur, Geschichte, Kunst und Technik, hier kommt alles zusammen – unter einem Museumsdach!

ISBN: 978-3-7373-7629-7

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Whitestone Hospital – Colliding Hearts von Ava Reed

Empfehlung von Nicole Stampfel

„Mit „Colliding Hearts“ dürfen wir ein letztes Mal in das Whitestone Hospital reisen. Eine dramatische Reise voller Emotionen, Herzklopfen und bewegenden Schicksalsschlägen. Dieser Roman lässt kein Auge trocken. Ava Reed beweist erneut mit starken Charakteren – die wir seit Band 1 lieben – wie man eine intensive Liebesgeschichte mit emotionaler Tiefe in Einklang bringt, um diese Reihe mit einem weiteren Meisterwerk zum Abschluss zu bringen.“

Vom Buchrücken: „GUT. Hass mich. ICH NEHME ALLES, WAS ICH KRIEGEN KANN.“ Dr. Ian Rice ist Thoraxchirurg im Whitestone Hospital. Er lebt für seinen Job, Sarkasmus, guten Sex und Kaffee. Obwohl Ian an die große Liebe glaubt, vergeudet er keine Zeit damit, sie zu suchen. Er ist besserwisserisch und arrogant, aber auch ehrlich und fürsorglich – und genau deshalb fällt es der Künstlerin Jess Collins so schwer, ihn zu vergessen. Jess ist erst vor Kurzem nach Phoenix gezogen, um bei ihrer Schwester zu sein, und das Letzte, was sie gebrauchen kann, ist Ian, der ihr ohnehin schon chaotisches Leben noch mehr durcheinanderbringt. Trotz allem kommen sich die beiden näher, und Ian ist sich das erste Mal sicher, dass er den einen Menschen getroffen hat, den er für immer an seiner Seite haben möchte. Doch gerade, als sie beschließen, sich vollkommen aufeinander einzulassen, droht Jess’ Welt ein weiteres Mal zusammenzubrechen…

ISBN: 978-3-7363-2591-3

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Roadtrip mit Elefanten von Filiz Penzkofer

Empfehlung von Ingrid Kapahnke

„„Roadtrip mit Elefanten“ ist eine berührende Leseerfahrung. Eni fühlt sich den großen Themen der heutigen Zeit ausgeliefert: der Weltuntergangsstimmung durch den Klimawandel, dem bösartigen Ton in den sozialen Medien und dem grenzenlosen Konsumverhalten der Menschheit. Als sie eine antike Statue beim Onkel eines Freundes entdeckt, entscheidet sie sich, ein Zeichen zu setzen. Auch wenn es nicht ganz legal ist, die Statue muss nach Italien zurückgebracht werden. Gar nicht so einfach, wenn man erst 17 Jahre alt ist, keinen Führerschein und kein Geld hat. Es ist ein Roman über Freundschaft, aber auch über Sorgen und Ideale.“

Vom Buchrücken: Ein berührender Coming-of-Age-Roman über Weltenwut, familiäre Wirrungen, ungewöhnliche Freundschaften – und über die Kunst, den Augenblick zu genießen. Filiz Penzkofer schafft es […] von existenziellen Themen wie Verrat, Schuld, Tod, Schicksal, aber auch Liebe zu erzählen, ohne pathetisch zu werden. Deutschlandfunk über «Leuchtfische». Gewinnerin des Kranichsteiner Literaturstipendiums 2025.

ISBN: 978-3-7571-0230-2

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Ghost Stories – Ein Buch der Erinnerung von Siri Hustvedt

Empfohlen von Renate Natterer

„„Ghost Stories – Ein Buch der Erinnerung“ von Siri Hustvedt ist ein leises, aber sehr eindringliches Buch, das lange nachwirkt. Im Mittelpunkt steht der Abschied von ihrem Mann, Paul Auster. Doch es geht nicht nur um Verlust, sondern vor allem um ein gemeinsames Leben, das in Erinnerungen weiterbesteht. Besonders beeindruckend ist, wie präsent er bleibt – in kleinen Dingen, Gedanken und Momenten des Alltags. Die Form des Buches hat mir sehr gefallen. Es ist keine durchgehende Erzählung, sondern besteht aus Erinnerungen, Briefen und Fragmenten, die sich wie ein Mosaik zusammensetzen. Gerade dadurch wirkt alles sehr authentisch und nah. Man spürt beim Lesen die tiefe Verbindung zwischen den beiden, aber auch, wie viel Kraft es braucht, mit einem solchen Verlust umzugehen. Dabei wird nichts beschönigt, aber auch nichts überdramatisiert. Der Text ist dabei ruhig, fast zurückhaltend, und gerade das macht ihn so glaubwürdig. Ein stilles, kluges und sehr persönliches Buch über Liebe, Abschied und das Weiterleben in der Erinnerung. Eines, das man nicht einfach zur Seite legt, sondern noch eine Weile mit sich trägt.“

Vom Buchrücken: EIN BUCH DER ERINNERUNG, EIN BUCH DER LIEBE Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt geworden: immerzu spürbar, schmerzlich und tröstlich zugleich. Sie trägt seine Jacke, sie riecht seine Zigarrillos im Haus, sie liest seine Bücher von Neuem. Und zum ersten Mal seit langer Zeit liest sie ihre eigenen Liebesbriefe, vom Beginn einer gemeinsamen Geschichte, die 43 Jahre währen sollte. Mit ihrem beispiellosen Trauer-, Gedächtnis- und Liebesbuch nähert sie sich dem unmöglichen Wunsch, Paul zu neuem Leben zu erwecken. Und Paul selbst kommt zu Wort, mit Briefen, die er für den Monate vor seinem Tod geborenen Enkel Miles hinterlassen hat. In diesem großen Werk der Erinnerung werden Fragen aufgeworfen, die alle Menschen angehen. Es lässt eine einzigartige Liebes- und Lebensgemeinschaft wiedererstehen: die des legendär gewordenen Autorenpaares aus Brooklyn.

ISBN: 978-3-498-00788-1 

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Nein sagen von Matthias Brandt

Empfohlen von Anna Zehetmeier

„Ich habe „Nein sagen“ von Matthias Brandt gelesen und fand das Buch sehr eindringlich und wichtig. Es basiert auf einer Rede, die er zum Gedenktag des 20. Juli 1944 gehalten hat – und genau das merkt man dem Text auch an: Er ist persönlich, nachdenklich und gleichzeitig sehr klar in seiner Aussage. Am Anfang schreibt Matthias Brandt, dass er sich eigentlich gar nicht berufen gefühlt hat, eine solche Rede zu halten. Doch dann setzt er sich intensiv mit dem Thema Widerstand auseinander und macht deutlich, dass es ganz unterschiedliche Formen davon gibt. Besonders berührend fand ich die Passagen über seine Eltern, vor allem über seinen Vater Willy Brandt und seine Mutter, die beide im Widerstand aktiv waren und dafür große Risiken auf sich genommen haben. Gleichzeitig weitet er den Blick und erinnert auch an die vielen weniger bekannten Menschen, die sich gegen das NS-Regime gestellt haben und dafür oft mit ihrem Leben bezahlen mussten. Das Buch bleibt aber nicht nur in der Vergangenheit, sondern zieht eine klare Verbindung zur Gegenwart: Es zeigt, dass es auch heute wichtig ist, Haltung zu zeigen und für die eigenen Überzeugungen einzustehen – egal ob laut oder leise. Für mich ist „Nein sagen“ ein sehr starkes Buch, das zum Nachdenken anregt und deutlich macht, wie wichtig Zivilcourage damals wie heute ist.“

Vom Buchrücken: ÜBER DEN MUT, NEIN ZU SAGEN Matthias Brandt hielt 2025 eine denkwürdige Rede zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 in der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee – dem Ort, an dem viele der Beteiligten an dem Attentat gegen Adolf Hitler ermordet wurden. Als Sohn des Emigranten Willy Brandt und seiner Frau Rut nahm Matthias Brandt die Rede zum Anlass, über den Mut der Verschwörer des 20. Juli und vieler anderer Widerstandskämpfer, zu denen auch die eigenen Eltern gehörten, nachzudenken. Den Ausschlag, sich mit diesem auf seiner Rede basierenden Buch politisch zu äußern, gaben für Matthias Brandt die bedrohliche Wiederkehr des Rechtsextremismus und die Wahlerfolge der AfD. „Dieses kleine Buch erzählt von einer Rede, die ich erst nicht halten wollte. Weil ich nicht wusste, ob ich das kann. Und ob ich das darf. Es erzählt von Zweifeln und von der Frage, wie man überhaupt von den Menschen spricht, die Widerstand leisteten.“ – Matthias Brandt

ISBN: 978-3-462-01627-7

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