Julian Barnes

Im Mai 1937 wartet ein Mann jede Nacht neben dem Fahrstuhl seiner Leningrader Wohnung darauf, dass Stalins Schergen kommen und ihn abholen. Der Mann ist der Komponist Schostakowitsch, und er wartet am Lift, um seiner Familie den Anblick seiner Verhaftung zu ersparen.
Die Gunst der Mächtigen zu erlangen, hat zwei Seiten: Stalin, der sich plötzlich für seine Musik zu interessieren scheint, verlässt noch in der Pause die Aufführung seiner Oper »Lady Macbeth von Mzensk«.
Fortan ist Schostakowitsch ein zum Abschuss freigegebener Mann. Durch Glück entgeht er der Säuberung, doch was bedeutet es für einen Künstler, keine Entscheidung frei treffen zu können? In welchem Verhältnis stehen Kunst und Unterdrückung, Diktatur und Kreativität zueinander, und ist es verwerflich, wenn man sich der Macht beugt, um künstlerisch arbeiten zu können?
Im neuen Roman von Julian Barnes wird das von Repressionen geprägte Leben von Schostakowitsch in meisterhafter Knappheit dargestellt – ein großartiger Künstlerroman, der die Frage der Integrität stellt und traurige Aktualität genießt.
Tipp von Renate Natterer
Kiepenheuer&Witsch 978-3-462-04888-9 20,-€
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‚4 3 2 1‘ – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. „Was für ein interessanter Gedanke“, sagt er sich als kleiner Junge, „sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe.
Was wäre, wenn dein Leben ganz anders verlaufen wäre?
Familie am Leben zu halten. Doch eines Tages gerät ihr ein Geschöpf in die Fänge, das sie lieber nicht hätte töten sollen. Denn jetzt muss sie mit ihrem eigenen Leben dafür bezahlen. Dazu wird sie in das sagenumwobene Reich der Fae entführt, wo Geheimnisse hinter jeder Tür warten.
Im frühen 17. Jahrhundert malt eine junge Holländerin, die als erste Frau in die Amsterdamer Meistergilde aufgenommen wurde, ein Bild, um den Tod ihrer kleinen Tochter zu verarbeiten. 1957 in New York bemerkt der Anwalt Marty der Groot, dass ihm genau dieses Bild aus seinem Schlafzimmer gestohlen und durch eine brillante Kopie ersetzt wurde. Es war seit Jahrhunderten im Besitz der Familie. Marty spürt die junge Kunststudentin Ellie Shipley auf, die ohne böse Absicht das Bild exzellent kopiert hat. Sie treffen sich und Ellie verliebt sich in den Anwalt. Jahrzehnte später treffen die beiden Bilder, der Anwalt und die Fälscherin noch einmal aufeinander.
Das Pariser Hauptkommissariat, 36 Quai des Orfèvres hat eine neue Leitung. Ihr Ziel heißt: die Aufklärungsraten und Statistiken polieren und alle lästigen, aufsässigen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter loswerden. Deshalb ruft die Führungsriege eine neue Brigade ins Leben, in der alle Alkoholiker, Faulenzer, Schläger, Depressive und Polizisten, die sich für etwas anderes berufen fühlen – wie z.B. Eva Rozière, die Krimis schreibt, anstatt zu ermitteln -, zusammengefasst werden sollen. Die Leitung übergibt sie Anne Capestan, einer einst hoffnungsvollen jungen Polizistin, die wegen eines fatalen Fehlers vom Dienst suspendiert wurde. Was man von ihr erwartet: stillhalten. Anne hasst aber nichts mehr, als einfach zu gehorchen. Deshalb lässt sie nichts unversucht und baut mit ihrer Truppe der verkrachten Existenzen in einem schäbigen Büro bei miserabler technischer Ausstattung, ohne Waffen und Blaulicht ein Kommissariat der unkonventionellen Methoden auf und löst – zum Schrecken der neuen Chefs – auch noch alte Fälle, die die neue Führungsriege in gar keinem schönen Licht erscheinen lassen.
»Ich bin wie du mit geschlossenen Augen, nur schlauer!«
Eigentlich will die junge Istanbuler Journalistin Pelin nur für einen Promi-Mordfall in dem kleinen Küstendorf am Schwarzen Meer recherchieren. Dann lernt sie den älteren Ahmet kennen, einen Eigenbrötler, der vor jeder Berührung zurückschreckt.
